Mankell, Henning - Die italienischen Schuhe

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03 Sep. 2009 10:56 #1 von Netha
Autor: Mankell, Henning
Titel: Die italienischen Schuhe
Originaltitel: Italienska skor / 2006
Verlag: Zsolnay
Erschienen: 2007
ISBN-10: 3552054154
ISBN-13: 978-3552054158
Seiten: 365
Einband:
Serie: keine

Autorenportrait:

Henning Mankell ( * 3. Februar 1948 in Stockholm, aufgewachsen in Sveg), ist ein schwedischer Theaterregisseur und Schriftsteller. Bekanntheit in Deutschland erlangte er vor allem durch seine Kriminalroman-Reihe über Kurt Wallander. Ausfürliche Vita Hier

Wikipedia

Inhaltsangabe:

Frederik Welin hat sich in die Einsamkeit geflüchtet. Nach der "Katastrophe", einem Kunstfehler, der dem Chirurgen unterlief, hat er sich auf eine abgelegene Schäreninsel zurückgezogen. Das ehemalige Haus der Großmutter ist zu seiner "Festung" geworden. Hier kann er, abgeschirmt von der Außenwelt, seine Rituale pflegen. Im tiefsten Winter, bei schneidendem Wind, hackt er jeden Morgen ein Loch ins Eis und springt hinein. Für ihn ist dies die einzige Möglichkeit, sich selbst zu spüren, zu merken, dass er noch lebt.

Quelle: Klappentext

Meine Meinung

Das Cover dieses gebundenen Buches zeigt mir einen Teil der Schärenwelt in Schweden mit zwei Holzhäusern, das Bild ist in blau-grau Tönen gehalten, welches mir persönlich Ruhe und Stille vermittelt.
Frederik Welin, seines Zeichens Chirurg, zog sich nach einem Kunstfehler auf seine Schäreninsel zurück, und lebt dort nur mit seinem alten Hund und seiner betagten Katze.
Einmal die Woche kommt das Postboot und Fredrik plaudert einige Sätze mit Jansson dem Postboten. Ansonsten lebt er dort völlig für sich. In seinem Wohnzimmer beherbergt er einen Ameisenhaufen, diesen lässt dort, weil er das Wohnzimmer eh nicht benutzt.
Im tiefsten Winter schaut er aus dem Küchenfester und sieht dass eine Frau mit einem Gehwagen übers Eis auf seine Insel zusteuert. Er traut seinen Augen nicht als er meint diese Frau zu erkennen. Und er hat sich nicht getäuscht, es ist Herriet seine Jugendliebe die er für sein Medizinstudium verlassen hat.
Herriet ist unheilbar krank und erinnert Frederik an ein Versprechen, das er jetzt einlösen soll.
Damit beginnt eine Geschichte die einen Menschen der mit seinem Leben schon abgeschlossen hatte, wieder in die Wirklichkeit zurückbringt.

Henning Mankell bedient sich hier wieder einer für seine Romane typischen Ruhe und nachdenklichen Zurückgezogenheit, die mir niemals Langweilig wurde. Die Protagonisten wachsen einem Stück für Stück ans Herz, da man im Laufe der Geschichte immer mehr erfährt aus der Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart. Dadurch das Herriet sehr krank ist verspürte ich unterschwellig eine gewisse Spannung, die sich durch die ganze Geschichte zieht.
Diese Geschichte zeigte mir wie schwer es einem Menschen fallen kann über seinen eigenen Schatten zu springen und begangene Fehler anzunehmen wie sie sind. Die Lösung von Frederiks Ängsten und Sorgen wurde sehr ausgearbeitet und in einem sehr schönen Rahmen beendet.
Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen. Und ich muss sagen dass dies wieder ein echter Mankell war so wie ich ihn lieben gelernt habe. Auch wenn weder Wallander noch Afrika das Thema war.

Dieses Buch bekommt von mir:****:

Liebe Grüße von Netha

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03 Sep. 2009 18:17 #2 von Zabou1964
Da habe ich doch gleich mal meine Rezi von 2007 zu diesem Werk ausgegraben. Wie ihr seht, war ich nicht ganz so begeistert wie Anke.



Eigene Meinung:

Dies war mein erster Roman von Henning Mankell und wie ich schnell merken musste, handelt es sich nicht um einen Krimi.

Der Inhaltsangabe des Verlages, dass dieses Buch spannend ist, muß ich leider widersprechen. Auch Belletristik kann spannend geschrieben sein, was auf "Die italienischen Schuhe" allerdings nicht zutrifft.

Nachdenklich und anrührend dagegen ist es sehr. Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr schön, so dass ich mich gleich in meinen Schwedenurlaub zurückversetzt fühlte.

Beschrieben wird der Lebensabend von Fredrik Welin, der vor allem und jedem flüchtet, einschließlich vor sich selbst. Seit 12 Jahren lebt er alleine mit einem Hund und einer Katze auf einer einsamen Schäreninsel. Er vertrödelt seine Zeit und ist in meinen Augen vollkommen lethargisch (Er hat z.B. in seinem Wohnzimmer, das er nie betritt, einen Ameisenhaufen, der immer weiter wächst. Er kriegt es aber nicht geschafft, diese Ameisen zu entfernen.).

Eines Wintertages steht seine ehemalige Freundin Harriet, die er vor 37 Jahren ohne ein Wort verlassen hat (also praktisch vor ihr geflohen ist), auf dem Eis vor seiner Insel. Sie ist sterbenskrank und verlangt von ihm, dass er ein Versprechen einlöst, das er ihr einmal gegeben hatte.

Widerwillig lässt Frederik sich auf ihre Bitte ein und damit beginnt eine eigentümliche Reise, die die beiden in Frederiks altem Auto im tiefsten Winter in Schweden zurücklegen.

Ich will nicht zu viel verraten, aber Frederik begegnet auf dieser Reise öfters seiner Vergangenheit und lernt u.a. einen italienischen Schuster kennen, der über das Herstellen und Tragen von handgemachten Schuhen philosophiert. Diese Szene hat mir besonders gut gefallen.

Frederik ist mir eigentlich nicht besonders sympathisch. Er ist ein Lügner, Schnüffler und Feigling. Trotzdem hat Henning Mankell es geschafft, ihn mir bis zum Ende des Buches etwas ans Herz wachsen zu lassen.

Auch die anderen Personen sind sehr gut dargestellt. Übrigens wird "Tea Bag", über die es ein eigenes Buch gibt, ganz kurz in einer Szene beschrieben.

Wer sich mit der neuen Rechtschreibung nicht anfreunden kann, der ist mit diesem Roman gut bedient: Hier wird - obwohl im August 2007 erschienen - noch die alte Rechtschreibung benutzt. Ich muss sagen, dass mich mittlerweile die alte Schreibweise im Lesefluss stört.

Fazit: Wer ein spannendes Buch sucht, der sollte die Finger von diesem Roman lassen. Er kommt ganz still daher und hat mich nachdenklich zurück gelassen. Stellenweise war es etwas langatmig, aber die Lektüre hat sich trotzdem gelohnt!

:***:

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