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Gómez-Jurado, Juan: Zerrissen
Titel: Zerrissen
Originaltitel: El Paciente (2014)
Verlag: dtv
Erschienen: 2015
ISBN-10: 3423215879
ISBN-13: 978-3423215879
Seiten: 479
Einband: Taschenbuch
Preis: 9,95 €
Serie: -
Autorenporträt:
BuchinnenseiteJuan Gómez-Jurado, geboren 1977 in Madrid, ist derzeit einer der erfolgreichsten spanischen Autoren. Bereits der erste Thriller des mehrfach ausgezeichneten Journalisten wurde zu einem internationalen Bestseller und in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Seither ziehen seine Romane Millionen Leser weltweit in den Bann. Mit ›Zerrissen‹ legt der sympathische Erfolgsautor und Vater zweier Kinder seinen neuesten nervenzerreißenden Thriller vor, der mit seinem hoch emotionalen, filmisch erzählten Plot gewiss niemanden kalt lässt.
Inhaltsangabe:
KlappentextNeurochirurg David Evans steht vor der wichtigsten Operation seiner Karriere, da wird seine kleine Tochter entführt.
Der skrupellose Kidnapper fordert jedoch kein Lösegeld. Er will nur eins: "Der Patient darf den Eingriff nicht überleben, sonst wird Julia sterben."
Meine Meinung:
Das Buch beginnt mit einem Tagebucheintrag von Dr. Evans in der Todeszelle. Er schreibt, was genau passiert ist.
Dr. Evans ist Neurochirurg in einer Privatklinik in Washington. Kurz vor Ende seiner Bereitschaft kommt ein Notfall: ein angeschossener Jugendlicher. Als er weit nach Mitternacht heim kommt, findet er das Haus verwaist vor. Im Zimmer der Haushälterin fehlen alle persönlichen Gegenstände und auch Julia ist verschwunden. Kurzerhand fährt er - schäumend vor Wut - zu seinem Schwiegervater, den er in Verdacht hat. Als er dort ankommt, fehlt von den beiden jede Spur. Da der Schwiegervater allerdings angetrunken ist, bemerkt er nicht, was sein Schwiegersohn möchte sondern macht ihm neue Vorwürfe. Währenddessen erhält Dr. Evans eine SMS, dass er den Mund halten soll. Und dann noch eine, er solle jetzt dringend nach Hause fahren. Völlig verunsichert lässt er den tobenden Schwiegervater zurück und fährt heim. Unterwegs bekommt er weitere Meldungen: "keine Polizei!" "Geh in den Keller!" - Dort findet er die Leiche seiner Haushälterin und die Kisten mit ihren Sachen. Von Julia fehlt jede Spur.
Als er die Aufforderung zu einem Treffen bekommt, geht er hin und sitzt einem Mann gegenüber, der sich Mr. White nennt. Der zeigt ihm , dass er alles über ihn weiß - auch Details über den Selbstmord seiner Frau, die kein anderer wissen kann. Als er ihm dann seine Tochter zeigt, die in einem dunklen Verschlag unter der Erde gefangen gehalten wird, ist er am Ende. Und die Forderung von Mr. White ist eindeutig: Luft hat sie noch bis Freitag abend, Nahrung bekommt sie auch - aber wenn Dr. Evans den nächsten Patienten lebend aus dem OP lässt, wird seine Tochter sterben. In 3 Tagen wird der mächtigste Mann heimlich in die Klinik eingeliefert. Niemand weiß von der schweren Krankheit des Präsidenten und Dr. Evans soll verhindern, dass er das Krankenhaus lebend verlässt...
Das Buch ist spannend und ich war von Anfang an gefesselt. Die Vorstellung, dass ein Arzt sich zwischen dem Leben seiner Tochter und dem seines Patienten entscheiden muss, ist furchtbar. Sie ist das einzige, was ihm noch geblieben ist, nachdem er schon seine geliebte Frau verloren hat. Das Verhältnis zu seiner Schwiegerfamilie ist schwierig. Dass er ständig überwacht wird und keinen Schritt tun kann, ohne dass die Entführer davon erfahren, macht es nicht einfach. Aber irgendwie kann er seine Schwägerin um Hilfe bitten. Für Kate ist die Situation ebenfalls heikel, schließlich arbeitet sie beim Secret Service, aber ihre Nichte bedeutet ihr sehr viel. Und gemeinsam versuchen sie, das Leben der beiden zu retten. Der psychopathische Mr. White überlässt allerdings nichts dem Zufall und hat alles bis ins Detail geplant. Auf grausame Weise bringt er den Arzt dazu, seine Grundsätze über Bord zu werfen.
Das Ende war spektakulär. Alles in allem wurde es phantastisch gelöst - auch wenn Dr. Evans dadurch in den Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses kommt. Überraschend und leider nicht perfekt, aber durchaus nachvollziehbar. Mehr möchte ich aber nicht verraten - ich kann nur sagen: lesenswert.
Fazit:
Ein Arzt steht vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens.

29.04.2015 - 455
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Dr. David Evans ist ein angesehener Neurochirurg einer Washingtoner Privatklinik. Seit dem Selbstmord seiner Frau muss er seine siebenjährige Tochter Julia immer häufiger in der Obhut seiner Haushaltshilfe Svetlana lassen – sehr zum Missfallen seines Schweigervaters. Auch an dem tragischen Tag, der sein Leben für immer verändern wird, kommt David nach einer durchgeführten Not-OP erst gegen Mitternacht nach Hause und findet das Haus verlassen vor. Sowohl seiner Tochter als auch Svetlana sind spurlos verschwunden. Sein erster Gedanke, sein Schwiegervater könne Julia zu sich geholt haben, stellt sich als falsch heraus. Die SMS eines ominösen Mr. White offenbart dann die schreckliche Wahrheit …
Svetlana wurde ermordet und Julia entführt. An ein Lösegeld ist der Kidnapper allerdings nicht interessiert. Davids nächster Patient auf dem OP-Tisch ist niemand geringerer als der Präsident der Vereinigten Staaten und dieser soll die Operation nicht lebend überstehen. Wie wird sich Dr. Evans, der den Hippokratischen Eid geleistet hat, im Tausch des Lebens seiner Tochter gegen das des Präsidenten entscheiden? Es bleiben ihm nur 55 Stunden …
"Zerrissen" – passender hätte der Titel des Thrillers von Juan Gómez-Jurado nicht sein können. Wie entscheidet man als Elternteil und wie als Arzt in so einer Situation? Gibt es überhaupt einen Ausweg? Egal wie die Entscheidung ausfällt, Evans macht sich im Moment der
Entscheidung so oder so zum Mörder. Würde er sein Kind opfern, müsste er dafür allerdings nicht ins Gefängnis. Beim Lesen habe ich mich permanent gefragt, wie man einen sauberen Ausweg aus so einer Lage finden kann, und bin zu keinem Ergebnis gekommen.
Der Autor konfrontiert den Leser gleich in der Einleitung in Form eines Tagebucheintrages mit der Tatsache, dass Dr. David Evans im Todestrakt des Gefängnisses sitzt. Der Protagonist als Ich-Erzähler lässt die ganze Situation noch realer wirken und die Perspektivwechsel – allem voran die Passagen über den Kidnapper, sorgen für Spannung bis zum Schluss. Der Gewissenskonflikt, in dem David steckt, ließ mich als Leser mitleiden. Es kochen Emotionen hoch und viele Reaktionen von ihm, über die ich sonst den Kopf schütteln würde, sind vor diesem Hintergrund nur allzu verständlich und machen ihn noch sympathischer, noch menschlicher. Ein absolutes Horrorszenario ist dem Autor mit diesem Buch gelungen.
Volle Punktzahl gibt es von mir.

Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig.
Ernst Reinhold Hauschka
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