Harris, Joanne - Blaue Augen

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20 März 2011 19:25 - 09 März 2024 08:04 #1 von goat
Harris, Joanne - Blaue Augen wurde erstellt von goat
Autor: Harris, Joanne
Titel: Blaue Augen
Originaltitel: Blueeyed Boy
Verlag: List Hardcover
Erschienen: 11. März 2011
ISBN-10: 3471350535
ISBN-13: 978-3471350539
Seiten: 496
Einband: Gebundene Ausgabe
Serie: -
Preis: 19,99 €

Autorenportrait:

Joanne Harris arbeitete fünfzehn Jahre lang als Lehrerin, bevor ihr mit Chocolat der Durchbruch gelang. Sie ist heute eine der erfolgreichsten und einflussreichsten englischen Autorinnen. Weltweit hat sie mehr als 15 Millionen Bücher verkauft.

Quelle: Verlagsseite

Inhaltsangabe:

Es war einmal eine Witwe, die hatte drei Söhne. Sie hießen Schwarz, Braun und Blau. Schwarz war der älteste, er war launisch und streitsüchtig. Braun war der mittlere, er war furchtsam und einfältig. Blau jedoch war der Liebling seiner Mutter. Und er war ein Mörder.

Ein Mann gesteht einen Mord, den er nicht begangen haben kann. Joanne Harris erzählt die Geschichte eines Jungen, der durch die Grausamkeit seiner Mutter zum Verbrecher wird.

Quelle: Verlagsseite

Meine Meinung

Der 42-jährige B. B. hat zwar ein gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter, lebt aber immer noch mit ihr unter einem Dach. In all den Jahren hat er es nicht geschafft, sich von ihr zu lösen. Die Grausamkeit seiner Mutter lässt ihn in die virtuelle Welt flüchten, wo er unter dem Namen Blauauge ein Blog führt und über seine Morde schreibt, die er begangen haben will. Unter den Opfern sind auch seine beiden Brüder. Unter seinen Lesern sind viele gestörte Persönlichkeiten – aber nur eine von ihnen kennt Blauauge sehr genau und weiß, welches Geheimnis ihn umgibt.
Selten hat mich ein Buch so ratlos zurückgelassen wie „Blaue Augen“. Nach Beenden des Romans habe ich das Gefühl, ich bin genauso schlau wie vorher. Die Figuren aus Joanne Harris Roman bleiben alle so rätselhaft wie ihr Protagonist Blauauge. Sind die Taten wirklich von ihm verübt worden oder nur Teil seiner Fantasie? Fakt ist, dass Gloria Winter, als allein erziehende Mutter von drei Kindern, hoffnungslos überfordert ist. Was sie ihren Kindern angetan hat, enthüllt die Autorin aber erst nach und nach in dem Buch. Als zwei ihrer Söhne auf rätselhafte Art und Weise sterben, kann sie ihre ganze Wut, aber auch ihre erdrückende Liebe auf das letzte ihr verbliebene Kind konzentrieren.
Einen hohen Stellenwert nimmt das Thema Synästhesie in dem Roman ein. Mit diesem Begriff konnte ich bis dato nichts anfangen. Dabei handelt es sich um eine Sinnesverschmelzung. Wenn z. B. jemand Musik hört und diese mit Farben oder Gerüchen in Verbindung bringt. Es könnte durchaus sein, dass eine Synästhesie nach der Einnahme von Halluzinogenen auftreten. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, was genau in diesem von Glorias gemischten Getränk, welches sie B. B. stets als seine Medizin angepriesen hat, enthalten war. Sollte es tatsächlich einen Zusammenhang geben? Diese Frage blieb, wie mehrere andere Fragen einfach unbeantwortet. Die ganze Geschichte ist komplex, verwirrend und sehr kühl geschrieben. Zu keiner Zeit habe ich Wärme beim Lesen empfunden. Das entstandene Mitleid mit B. B. hat sich mit dem Lesen seines Blogs irgendwie gleich wieder verflüchtigt und als das Wirrwarr um die Figuren losging, da hat mich das doch eher abgeschreckt als neugierig gemacht, weil es in meinen Augen einfach zu plump rübergebracht wurde. Ich möchte natürlich auch nicht zuviel verraten.
Die Autorin hat mit diesem Roman leider so gar nicht meinen Geschmack getroffen. Trotzdem fällt mir die Bewertung schwer, weil die Komplexität und die Aussage hinter der Geschichte mir doch sehr imponiert haben. Nur blieben für mich einfach zu viele Fragen offen und das Ende war nicht schlüssig genug. Deshalb entscheide ich mich hier für die goldene Mitte und vergebe drei Sterne!

:***:

Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig.

Ernst Reinhold Hauschka
Letzte Änderung: 09 März 2024 08:04 von Meggie.

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28 Juli 2011 06:26 #2 von Ikopiko
Meine Meinung:

Blauauge ist der letzte Überlebende von drei Geschwistern. Mit seinen 42 Jahren wohnt er noch immer bei seiner Mutter. In seiner Freizeit entflieht er in die virtuelle Welt. In einem Computerforum brüstet er sich mit Morden, die er verübt haben will. Bereits als kleines Kind hat er gefühllos Tiere zu Tode gequält. Jetzt sind es Menschen …

Woher kommt diese Gefühllosigkeit gegenüber anderen Kreaturen? Liegt es an der Mutter, die einerseits ihren letzten Sohn abgöttisch liebt, ihn andererseits jedoch bei Fehlverhalten auf unglaubliche Art und Weise bestraft?

In seiner Web-Community erhält Blauauge die Aufmerksamkeit, die er sich wünscht.

Neben Blauauge dreht sie der ganze Roman nur um einige wenige Charaktere. Selbst die Mutter bleibt ein offenes Rätsel.

Der Roman ist in Blog-Form geschrieben. Blauauge berichtet den anderen Usern seiner Web-Community über sein Leben. Wie er selbst bereits in jungem Alter Tiere ermordet hat, aber auch, wie er von seiner Mutter gequält wurde. Von der Vergangenheit springt er immer wieder in die Gegenwart, in der er einige Morde verübt haben will. Ich schreibe „verübt haben will“, denn mir ist nicht klar geworden, ob diese Morde tatsächlich passiert sind, oder ob sie Blauauges Fantasie entsprungen sind.

In mir hinterlässt der Roman ein großes Fragezeichen. Alles bleibt offen – seine weitere Beziehung zu der Mutter, die Morde … Während mir die Schreibform in Blogs schon nicht gefiel, macht mich dieses offene Ende ärgerlich.

Da während des Lesens eine gewisse Spannung da war, gebe ich diesem Buch trotzdem drei von fünf Sternen.

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