- Beiträge: 7094
Thiel, Sebastian - Niederrhein. Die Hexe vom Niederrhein (Band 01)
Titel: Die Hexe vom Niederrhein
Originaltitel: ---
Verlag: Gmeiner
Erschienen: Juli 2010
ISBN-10: 3839210763
ISBN-13: 978-3839210765
Seiten: 273
Einband: Paperback
Serie: Niederrhein, Band 01
Ort und Zeit der Handlung: Kempen, 17. Jahrhundert
Preis: 12,90 €
Autorenportrait:
Quelle: Gmeiner-VerlagSebastian Thiel, Jahrgang 1983, lebt in Tönisvorst am Niederrhein. Nach einer Ausbildung zum Fachinformatiker arbeitet er heute als IT-Manager in einem mittelständigen Dienstleistungsunternehmen. Schon in frühester Kindheit begann er mit dem Schreiben, vornehmlich von Kurzgeschichten. „Die Hexe vom Niederrhein“ ist sein erster historischer Roman.
Inhaltsangabe:
Quelle: Gmeiner-VerlagKempen, im Winter 1642. Am Niederrhein tobt der Dreißigjährige Krieg.
Nach einem Kirchgang rettet der junge Schmied Lorenz die Tochter des Statthalters vor zwei durchgehenden Pferden. Die schöne Elisabeth macht ihrem Retter von der ersten Minute an eindeutige Avancen. Doch nicht sie ist seine Auserwählte, sondern ihre schüchterne und geheimnisvolle Adoptivschwester Antonella. Als hessische Söldner Kempen belagern und einnehmen, bricht das Chaos aus. Und die kräuterkundige Antonella wird von der gesamten Stadt als Hexe denunziert …
Meine Meinung:
Als gebürtige Niederrheinerin und Liebhaberin historischer Romane war ich sehr erfreut, als ich erfuhr, dass im Gmeiner-Verlag ein Roman erscheint, der im 17. Jahrhundert in Kempen spielt. Leider konnte mich die Umsetzung der Geschichte nicht wirklich überzeugen.
Lorenz und Maximilian Cox, die Söhne des Schmieds, retten einer jungen Frau das Leben, als durchgegangene Pferde sie niederzutrampeln drohen. Wie sich schnell herausstellt, ist Elisabeth die Tochter des Bürgermeisters, der die jungen Männer zum Dank zum Abendessen einlädt. Obwohl Elisabeth sehr hübsch ist und Lorenz schöne Augen macht, verliebt sich dieser in ihre Adoptivschwester Antonella, die sich mit Kräuterheilkunde beschäftigt. Auch sie findet Gefallen an dem jungen Schmied. Doch der Dreißigjährige Krieg verschont auch die kleine Stadt am Niederrhein nicht. Lorenz und Maximilian melden sich als freiwillige Kämpfer, um die Stadt zu schützen. Als die Schlacht verloren geht, suchen die Bürger der Stadt, allen voran der Pfarrer, eine Schuldige für das Unglück. Antonella wird bezichtigt, eine Hexe zu sein. Ihr Leben ist in Gefahr.
Die Geschichte beginnt mit einer Traumsequenz, die in der Ichform aus Lorenz' Sicht geschrieben ist. Hier werden der Beginn der Schlacht bei Krefeld und die Gefühle des jungen Schmiedes dargestellt. Diese Schilderungen der Träume kommen immer wieder vor und haben mir Einblick in Lorenz' Denkweise gewährt. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch die Beschreibungen der anderen männlichen Figuren haben mich überzeugt. Insbesondere der Pfarrer, aber auch die Freunde der Brüder, waren sehr gut gezeichnet.
Der Charakter der Elisabeth, der Tochter des Bürgermeisters, war in meinen Augen allerdings total überzeichnet. Die Art und Weise, wie sie sich an Lorenz heranmacht, erinnerte mich eher an eine Straßendirne als an eine junge Dame der besseren Gesellschaft. Antonella dagegen ist eher das schüchterne Mädchen, das nachts alleine im Wald herumläuft und Kräuter sammelt.
Leider war die Geschichte zudem total vorhersehbar. Lediglich das Ende war noch eine Überraschung für mich. Neben einigen historisch falschen Details, wie z. B. das Essen von Kartoffeln von feinstem Porzellan oder das Trinken von Tee in einer Kneipe, ist der Roman durchzogen von Fehlern. In einer Szene wischt sich Lorenz den Met aus den Mundwinkeln, in der nächsten hustet er in seinen Bierkrug. An anderer Stelle sitzt Antonella im Jahre 1642 mit ihren Büchern im Schnee. Der Buchdruck war zwar bereits erfunden, Bücher dürften zu dieser Zeit jedoch extrem kostbar gewesen sein, sodass sich wohl niemand damit im Winter in den Garten gesetzt hätte. Diese Unstimmigkeiten hätten spätestens dem Lektorat auffallen sollen.
Fazit:
Mit viel Wohlwollen kann ich beim besten Willen nur zwei Sterne für dieses Debüt vergeben. Die Stimmung des einfachen Volkes und die Gefühle der jungen Männer im Krieg wurden eindrucksvoll geschildert. Ansonsten ist „Die Hexe vom Niederrhein“ leider nur eine Liebesgeschichte mit zu vielen historischen Ungenauigkeiten.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.